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Ein UN-bescheidener Vorschlag!

Wir Theater KreisQuadratur,

sowie scheinbar die halbe österreichische Kreativszene haben sich wiedermal über den neusten TRACK5 Wettbewerb gefreut,

frau freut sich ja mittlerweile eh viel zu selten!!!

Ein UN-bescheidener Vorschlag!

A,B,C,D,E,F,G,H,I,J,K,L,M,N,O,P,Q,R,S,T,U,V,W,A,S,W,I,R,K,L,I,C,H,G,E,S,C,H,A,H –

Wiederholte Sprechakte, zu einem (un)möglichen Ende gedacht?!?

Dank an Jonathan Swift, Harry Harrison,
Charlton Heston, „Soylent Green“,
Wanda Buschmann und Katrin GRUMETH (Stimme).
Text/Sound: Michael RENATH

Ein UN-bescheidener Vorschlag!

Eine künstlerische Intervention (Langversion)

Neben der vielen Probleme, mit denen sich die europäischen Bürger derzeit herumzuschlagen haben, macht ein spezieller Umstand, „die große Flüchtlingsbewegung“, unter anderem nach Europa, immer wieder auf sich aufmerksam.
Die auf den betroffenen Inseln zur Verfügung gestellten Ankunftszentren, sind massiv überbelegt, wir sprechen dabei von einem bis zu 4 fachen Lagerstand.

Aufgrund dieser Enge, entwickeln sich bei den Lagerinsassen physische und psychische Beeinträchtigungen, welche schnell in überschießende Handlungen, wie „Brandstiftung“ in der Anlage oder „Gewalteskalationen “ bei Demonstrationen der Bewohner münden, welche dann von der Exekutive vorschnell mit Tränengas auf Frauen und Kinder beantwortet werden müssen.

Wir sind uns glaube ich alle einig, dass diese Zustände in den Ankunftszentren als unerträglich anzusehen sind.
Viele Lagerbewohner werden von schweren Depressionen und Suizidgedanken geplagt, ein permanenter Leidensdruck der auf ihnen lastet.

Ein Umstand für den es neue „kreative“ Lösungsansätze braucht.

Deshalb will ich meine eigenen Gedanken dazu äußern, welche wie ich hoffe, das Potential beinhalten das Problem von Grund auf anzugehen.
Ein guter Bekannter von mir, ein Fachmann, hat mich letztens mit seiner Bemerkung in einem Interview auf den richtigen Ansatz gebracht. (Pause)

Ich bin aber im Gegensatz zu ihm, eben nicht der Meinung, man müsse diese Debatte deemotionalisieren, sondern diese Wünsche der Bewohner nach Freitod ernst nehmen und die Freitodwilligen bei der Hand nehmen und (Pause) anleiten.

Die Möglichkeit der begleitenden Sterbehilfe wird in der EU seit Jahren mehr und mehr erweitert – und so sollte diese Errungenschaft auch diesen Menschen zu gute kommen.

Dieser Wunsch nach „Flucht durch Suizid“ ist ein durchaus nachvollziehbarer, denn wer wäre in dieser Situation nicht froh und dankbar so eine Möglichkeit – Freitod in Würde – zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Was nun die Logistik angeht, so könnten an ausgewählten Orten auf den in Frage kommenden Inseln entsprechende Einrichtungen geschaffen werden.
In diesen Anlande-Suizidcentren steht ein Team 24 Stunden / 7 Tage pro Woche zur Verfügung, an das sich die Schutzsuchenden vertrauensvoll wenden können.

So kann unter medizinischer Aufsicht und bei vollkommen schmerzfreier Anwendung eine lückenlose Versorgung der zu betreuenden Klienten ermöglicht werden. Vielleicht eine bequeme Liegstatt mit beruhigender Musik in der man sanft hinüber dämmert seinen neuen Ufern entgegen. Wer könnte jemandem diese humane Hilfe versagen?

Auf diese Weise könnte die ideale Belegung von 3000 Bewohnern im Lager meiner Einschätzung nach mittelfristig gehalten werden, und den „konventionellen“ Insassen den idealen Betreuungsstandart bieten.

Ich denke auch, nur so könnte der Push-back Effekt sinnvoll und
konsequent zu Ende gedacht werden – diese humane Möglichkeit könnte so einerseits Enttäuschte und Verzweifelte schmerzfrei erlösen, und andererseits den noch unentschlossenen jenseits der Grenzen Europas die Entscheidung – zu kommen oder (Pause) nicht zu kommen – erleichtern!

Wichtig ist, dass bei alledem, „zumindest in der ersten Phase“, der Besuch des Anlande-Suizidecentrums freiwillig ist und es meiner bescheidenen Meinung nach, auch so lange wie möglich sein sollte. Zu unschön würden sich geschichtliche Vergleiche aufdrängen, die aber durch die strikte Freiwilligkeit der Klienten vermieden werden.

Ich glaube wir sollten dann aber nicht auf halber Strecke stehen bleiben,
sondern diesen einmal eingeschlagenen Weg in Ruhe und mit klarem und vernünftigen Kopf zu Ende denken…
Denn es böte sich „gleichzeitig“ eine fast perfekte Möglichkeit auch das Nahrungsproblem zu lösen.

So wäre es eine Verschwendung den mit so viel Sorgfalt begleiteten
„Freitod-willigen“, die Möglichkeit zu nehmen, weiterhin etwas sinnvolles für sich und die Gemeinschaft zu leisten. Denn eines muss klar sein, durch den begleitenden Suizid werden auf den Inseln vermehrt „Verstorbene“ anfallen und es wäre nur ein geringes die gewonnenen Körper weiterer innovativer Nutzbringung zuzuführen.

Ihre ergebene Ba-vellwas Wirk L Ich. G´e-schah

Eine besorgte Bürgerin

Genisis 11,9: „Darum nannte man ihren Namen Babel (bāvel),
weil dort der Ewige verwirrte (bālal) die Sprache aller Erdbewohner.“

https://oe1.orf.at/ugcsubmission/view/d5af1b53-a6b2-4409-9a5d-5f214f3f2749/Ein-UN-bescheidener-Vorschlag

Die Feuerschlange

Die Geburt des Vogel-menschen

Die Feuerschlange

Hod si die Feia’schlaungan vaneigt vua mir

von Wanda Buschmann

Sie erschien gleich am Beginn des Rituals. Sofort nach Entzünden der Flamme, innerhalb eines kurzen Augenblicks, stand sie – entstand sie – mitten im Kreis der tanzenden Frauen und Männer.

Ich war schon einmal bei diesem Ritual dabei gewesen, in Spanien, da ist sie auch erschienen, die Feuerschlange. Damals ließ sie sich etwas bitten, was heißt, es brannte lange Zeit nur ein ganz normales Feuer am Boden, wie man es von einem Lagerfeuer kennt, aber dann formten sich die Flammen plötzlich zu einer einzigen sich drehenden Säule und – da war sie. Sie erschien sehr schlank, kaum mannshoch, dezent, freundlich und tanzte im Kreis der Tanzenden. Die Feuerschlange, wunderschön, eindrucksvoll, magisch. Andere Teilnehmende erzählten damals, dass sie sich immer anders zeigt, die Feuerschlange, mal kleiner, mal größer, mal dicker mal dünner, mal länger mal kürzer und manchmal, trotz intensiver Anstrengung der Beteiligten, auch gar nicht.

Man kann sie sich sicher rein wissenschaftlich erklären, die Feuerschlange, als „thermische Möglichkeit“, ganz ohne Hokuspokus, was ihr allerdings keineswegs den „Eindruck des Wunderbaren“ nimmt. Speziell dieses Mal. „Dank des großen Schwungs und der passenden Energie der Beteiligten“, so würden die Einen das gute Gelingen erklären, „Dank der Anwesenheit des Unbekannten und des Unerkennbaren“, die anderen. Ein Physiker oder eine Technikerin würde sagen: „Aufgrund der Beschaffenheit dieses alten salzburgischen Gewölbebaus, der die passenden thermischen Gegebenheiten bietet“, „zusätzlich eine spezielle Akustik, die den Gesang und die Tanzschritte der Beteiligten in eindrucksvoller Weise verstärkte“ könnte ein Musik-Mensch ergänzen, und eine Psychologin oder ein Psychiater: „ … was natürlich allesamt einen realen Eindruck auf die Psyche macht.“ Ja genau, macht es. Egal wie man sich das Phänomen erklärt oder auch nicht, sie beeindruckt, die Feuerschlange, mächtig, und ja, speziell diese. Diese war ein Riese.

Die weiß gekleideten Beteiligten tanzten in dem dunklen Gewölbe im engen Kreis, alle die Arme um die Hüften der Nächsten gelegt, der Mitte zugewandt, in einem einfachen Kreuzschritt im Kreis und sangen in rhythmischem Sprechgesang, laut und immer lauter und mit noch mehr Energie, einen einfachen Satz in aztekischer Sprache. Der Leiter des Rituals spritzte dann eine brennbare Flüssigkeit auf den Boden und entzündete sie. Nur ganz kurz brannten die Flammen wie ein normales Feuer. Begleitet von einem lauten, dumpfen Ton stand die Feuerschlange, in erschreckender Unmittelbarkeit, in einer immensen Feuersäule die sich baum-dick in einer Drehbewegung vom Boden aufwärts bis ganz hinauf in die Gewölbebögen schraubte, im Raum. Alle waren durch diesen Erfolg bass erstaunt, aber dann enthusiasmiert und die Feuerschlange blieb und tanzte wild in unserem Kreis.

Nachdem der Tanzkreis eine Runde gedreht hatte, war mir, als ob die Feuerschlange in eine bestimmte Richtung schaut, oder anders gesagt, ich hatte den Eindruck, mich mal vor und mal hinter der Schlange zu befinden. Als ich in der ersten Runde „vor“ ihr gestanden war, hatte ich meinen Kopf gehoben, an ihr entlang hinauf geblickt und mit hängender Kinnlade ihre immense Höhe realisiert. Zusätzlich formte sie ununterbrochen die verschiedensten Köpfe – vollkommen entrückt erschaute ich das Geschehen, aber dann wurde ich weitergezogen vom Kreis der Tanzenden.

Das alles wurde mir allerdings erst während der zweiten Runde ganz bewusst, als ich mich wieder in dem Bereich befand, in dem ich mich der „Frontseite“ der Feuerschlange näherte und das nur, weil mir auffiel, dass ich mich schon darauf freute, wieder genau „vor“ ihr zu stehen. Als es endlich soweit war, schaute ich also, in Erwartung des Wunderbaren, an ihr entlang hoch und im selben Augenblick musste ich meinen Kopf wieder senken – denn sie erlosch. Weg war sie. Genauso augenblicklich wie sie erschienen war, war sie verschwunden. Zurück blieben nur noch ein paar winzig kleine blaue Flämmchen am Boden, obwohl genügend brennbare Flüssigkeit vorhanden war, die im Licht dieser Flämmchen sichtbar hervorglänzte.

Ich dachte mir automatisch: „Was habe ich angerichtet! Ich habe die Feuerschlange vertrieben. Meine Energie war schlecht. Wegen mir ist sie jetzt weg. Ich bin schuld!“ Ich war kurz entsetzt und blickte mit hängendem Kopf in das Desaster am Boden. Aber plötzlich schaltete sich eine andere Stimme dazu, die sagte: “Nau sicha‘ Transcher‘l, DU host de Feiaschlaungan vatrieben, jo genau, du bist jo so mächtig, …. und die Anzige do im Raum, NUR wen’g DIR is‘ weg, Frau Wichtig!“ Der zweite Denkansatz erschien mir wesentlich realistischer. Ich verwarf den Ersten und tanzte unbeschwert weiter. Währenddessen ging ob des Verschwindens der Feuerschlange, spürbar, ein kleiner Moment des Entsetzens auch durch die Gruppe, es fühlte sich an, als ob die Zeit kurz stillstand – aber dann – ein lauter Ruf des Leiters, der die Teilnehmenden wieder fokussierte und zu noch intensiverem Tanz und Gesang animierte und mit dem schon am Anfang vernommenen, dumpfen: „Poff“ stand sie wieder, „aufgezaubert“ , in ihrer ganzen mächtigen Pracht da, die Feuerschlange. Drachengleich. Sich wild schlängelnd, zischend und den Beteiligten gefährlich nahekommend in ihrem Tanz.

Wissen sie, man mag von solcherart Ritualen halten was man will. Skeptiker*Innen, die das alles für Theater halten, kann ich durchaus Recht geben, aber ich möchte sie gerne auf den Abenteuercharakter aufmerksam machen, den dieses „Theater“ in sich birgt. So ein Abenteuer kann – zumindest ich mir – einfach nicht entgehen lassen – ein altes aztekisches Feuerritual – selten ausgeführt in Europa – und ich muss dafür nicht einmal weit reisen – nur nach Salzburg.

„Jo und wos host von so an Ob’nteia‘“, mag der Skeptiker oder die Skeptikerin fragen.

Nun, ich komme beglückt wieder nach Hause, mit einer traumgleichen, intensiven Erinnerung an einen erhabenen Moment. Er beinhaltet die Erkenntnis: „Die Feuerschlange ist nicht verschwunden wegen mir, sie hat sich nur verneigt vor mir – und ich mich vor ihr. Und nicht nur ich. Alle haben sich verneigt vor ihr, gewollt oder ungewollt, einfach durch die Tatsache, dass sie plötzlich verschwunden war, und jeder seinen Kopf automatisch nach unten senkte. Aber dann ist sie in der gleichen Intensität wieder erschienen und alle haben automatisch den Kopf wieder gehoben, wie bei einer Verneigung. Ich kann also sagen: Die Feuerschlange hat mich das Grüßen gelehrt. Ich sage bewusst „mich“, denn ich bin sicher, dass sämtliche Teilnehmenden ihr eigenes Abenteuer mit der Feuerschlange hatten, und andere Lehren daraus zogen. Oder auch nicht.

„Wos hasst „Grüßen gelehrt“, du host mi jo eh griasst, oda wü‘sst di jetzt in Zukunft va‘being vua mir und olle aundan“ mögen die beiden Skeptiker berechtigt weiterfragen.

Nun, die Verbeugung spielt auf der ganzen Welt eine Rolle in der Körpersprache. Sie ist nicht nur eine Geste der Unterwürfigkeit, sie bekundet auch Respekt und Anerkennung für das Gegenüber ohne die eigene Unterwerfung. Wenn sich also die Feuerschlange vor mir verneigt, und das hat sie, sie hat angefangen, na, dann kann ich mich wohl auch vor ihr und jedem anderen verneigen, um meinen Respekt und meine Anerkennung zu vermitteln. Warum nicht, ist doch etwas Schönes. Einfach, noch dazu. Es ist natürlich angebracht, hierorts nicht zu übertreiben, denn die Verbeugung ist aus den örtlichen Begrüßungs- und Verabschiedungsritualen weitgehend verschwunden und eine große Geste dieser Art mag Befremden auslösen, aber man kann diese Geste auch sehr unmerklich ausführen und dennoch wird sie vom limbischen System des Gegenübers, dem „Reptiliengehirn“, sofort wahrgenommen. Wahrscheinlich wohlwollend wahrgenommen, denn sie bedeutet: „Ich werde von meinem Gegenüber anerkannt und respektiert.“ Ist doch etwas Schönes, oder? Ein kleines Kopfnicken – für die gute Atmosphäre.

„Jo owa des kaunst wo aundas a leanan, do brauchst ka Feiaschlaungan dazua. I leb‘ und learn‘ a ohne des Tamtam.“

Ist doch gut. Wenn du es tust. Aber tust du es denn? Hast du, dir selbst und der Welt nutzbringende, Lebens- und Lernerfolge? Wenn ja, verneige ich mich vor dir, denn ich habe tiefe Ehrfurcht vor Menschen, die zum Wohl für sich selbst und andere, an sich arbeiten, egal wie. Aber dann verstehe ich nicht, warum du so skeptisch bist. Da werde ich skeptisch. Wenn du sie nämlich hättest, diese Lebens- und Lernerfolge, erhellende Erkenntnisse also, wüsstest du ganz genau, dass die sich zwar einstellen, aber sehr individuell anbahnen und nie so kommen, wie man selbst sich das ausdenkt, oder ein anderer sich für einen ausdenkt. Du wüsstest, dass die Wahrheit an den seltsamsten Orten erscheint und du könntest einfach gleichmütig sein, das heißt, du könntest sie ablehnen, müsstest dich aber nicht so aufregen wie du es tust, über die Methoden zur Wahrheitssuche eines anderen. Mir scheint, du bist nicht mehr auf der Suche nach Wahrheit, du bist sicher, du hast sie schon gefunden. Stimmt‘s? Aber meinst nicht, dass das ein bisserl eine Selbstüberschätzung ist, Frau und Herr Weltformel? Ok, dann nicht, aber allen anderen kann ich noch einen praktischen Nutzen nennen:

Nach dem Feuerritual ging die Gruppe, es war bereits ganz dunkel geworden, nach draußen, zu einem Ort im Freien, um dort für die Nacht Kerzen, handelsübliche Friedhofskerzen, anzuzünden. Mit Anlaufproblemen: niemand hatte ein Feuerzeug oder Zündhölzer mitgenommen und es dauerte, bis jemand eine brennende Kerze organisiert hatte, um die Flamme weiter zu geben. Noch dazu waren die Friedhofskerzen in der Nacht zuvor schon zur Hälfte heruntergebrannt, weshalb wir dürre Ästchen suchen mussten, um den weiter unten liegenden Docht mit der Zündflamme zu erreichen. Es funktionierte letztendlich, aber die letzte Kerze machte einem anderen Teilnehmer und mir zu Schaffen. Sie war die Nacht zuvor schief abgebrannt und der Docht wollte sich einfach nicht entzünden. Wir versuchten es immer wieder, weil wir unbedingt wollten, dass sie brannte. Nach etlichen erfolglosen Versuchen mit Hilfe eines trockenen Ästchens, kam mir, und auch dem Kollegen, wie er mir danach sagte, plötzlich die Feuerschlange in den Sinn. Sie stand als Bild vor meinen Augen, sie flammte in meiner Wahrnehmung auf und sofort flammte auch das Ästchen in meiner Hand auf, aber wie! Genau an der Stelle im oftmals wiederholten Prozess des Feuer-Holens-Und-Anzündens, an der die Flamme am Ästchen stets erloschen war.

Die Kerze ließ sich letztendlich nicht anzünden. Der Docht war die Nacht zuvor so abgebrannt, dass da nichts mehr zu machen war, aber das Ästchen hatte aufgeflammt, in dem Moment als ich oder wir an die Feuerschlange dachten und da, meine Damen und Herren, ist die Verbindung in die vielgeschätzte Realität. Sie nennen es womöglich Aberglaube, Zufall, Schwachsinn oder Wunder an die sie nicht glauben können, Zauberei, Esoterik … ich stimme ihnen allen zu und nenne es: Quantenphysik. Immer deutlicher kommt diese Wissenschaft zu der Erkenntnis, dass wir nicht in einer Welt der Gegebenheiten, sondern in einer Welt der Möglichkeiten leben, und dass genau jene Möglichkeiten vor uns erscheinen – sich materialisieren – denen wir, individuell und kollektiv, Sinn und Bedeutung verleihen. Das heißt, wir kreieren unsere Welt, indem wir aus einem Meer der Möglichkeiten einzelne auswählen, die uns wichtig sind. Wir tun das ununterbrochen und zwar, indem wir meist unbewusst einen inneren Monolog aufrechterhalten, bisweilen ist es auch ein Dialog, der in uns in einer gewissen Monotonität abläuft und unser Weltbild aufrechterhält. Manche Monologstelle wurde uns von unseren Eltern, anderen Bezugspersonen und der Gesellschaft vorgesagt, Werte, Regeln, Grundhaltungen, Einstellungen, Meinungen, die wir unbewusst in uns nachsprechen. Andere Monologstellen haben wir selbst kreiert. Sie müssen mir nicht glauben, werte Skeptiker*Innen, überprüfen sie ihn selbst, ihren Gedankenfluss. Er besteht aus allen möglichen Bildern, Erinnerungen, Sätzen, oft auch in Kombination mit Gefühlen aber Großteils beinhaltet der innere Monolog Bewertungen, die dann unsere Realität erzeugen: „Ich finde Weihnachten gut/wichtig/schön, darum feiere ich es“, oder: „Ich hasse die Katholiken/meine Familie/zu viele Menschen/die Religion, drum feiere ich Weihnachten nicht“. Sie sehen: Bewertung – Realität. Ununterbrochen machen wir das und kreieren so, bis ins kleinste Detail, unsere Welt. Ein bisschen zynischer ausgedrückt: Wir reden sie uns ein.

Das ist so, und das ist schon gut so, denn anders könnten wir als Menschen gar nicht zusammenleben wie wir es tun. Der Haken an der Sache ist: wir reden uns nicht nur Nutzbringendes ein, sondern auch jede Menge Blödsinn und der materialisiert sich dann auch. Das heißt, für einen Menschen, der angetreten ist, sein Bewusst-Sein zu erforschen, und das muss ich, schon aus beruflichen Gründen, ist die Überprüfung des inneren Monologs mehr als angezeigt und das Abstellen der inneren Dialoge, meist imaginäre Streitgespräche mit anderen, Pflicht. Die sind völliger Schwachsinn. (Es gibt dazu eine herrliche Erläuterung von Paul Wazlawic: Die Geschichte vom Mann, der sich beim Nachbar einen Hammer borgen will) und ja, ich überprüfe meinen inneren Monolog und ändere so manche Stelle darin ab, indem ich bewusst eine andere Möglichkeit wähle einer Situation zu begegnen, damit eine „gute“ Realität dabei herauskommen kann. In meinem Fall heißt „gut“: Dem Körper, dem Geist, der Seele, dem Humor und meinem direkten Umfeld, die Möglichkeit zur optimalsten Entwicklung zu geben.

Durch dieses Erlebnis mit der Kerze habe ich aber eine zusätzliche Erkenntnis gewonnen: Ich kann die Bilder und Sätze, die meinen inneren Monolog bilden, nicht nur wählen, ich kann auch bestimmte Bilder einsetzen. Ich werde das jetzt überprüfen: Kann ich eine Situation in der Realität „befeuern“ – und damit meine ich nicht ausschließlich dürre Ästchen – wenn ich die Feuerschlange in meinen inneren Monolog einbaue? Ich werde versuchen, wann immer eine Situation im Außen etwas mehr „Feuer“ braucht, an die Feuerschlange zu denken, ihr Bild in mir aufzurufen und mir aus diesem Bild zusätzlich „Feuer“ für die Realität organisieren. Es müsste funktionieren, denn es ist ein Naturgesetz, ein vielleicht noch nicht zur Gänze erforschtes und erklärtes, aber das heißt nicht, dass es nicht wirksam wäre. In mir selbst funktioniert das Bild, das konnte ich bereits ein paar Mal bemerken. Die einzige Möglichkeit zu versagen besteht darin, auf die Feuerschlange zu vergessen.

„So a Bledsinn“, werden sich unsere Skeptiker*Innen nicht zurückhalten können einzuwerfen, „mia kennan a ohne Feiaschlaungan guad le’m und Einfluss nehman.“

Ja ist doch super, ich hoffe, ihr freut euch darüber!

Man braucht tatsächlich keine Feuerschlange um glücklich und womöglich auch nutzbringend für die Welt zu sein, aber mich persönlich macht sie glücklicher und nutzbringender. Sobald mir die Erinnerung, das Bild dieses Abenteuers in den Sinn kommt, verstummt mein innerer Monolog für einen Augenblick und plötzlich ist die Realität nicht mehr nur Routine, oder gar ein Albtraum, nein, von einem Moment zum anderen ist sie plötzlich spannend und magisch und wundervoll und ich muss lächeln. Die Zukunft tut sich vor mir auf mit all ihren phantastischen Möglichkeiten und das Leben zeigt sich mir als ein großes, spannendes und lebenswertes Abenteuer. Das ist es, was ich mir aus dem Meer der Möglichkeiten auswähle.

Ist doch besser, als am Leben zu verzweifeln, was ich angesichts der Umstände in der Welt, genauso berechtigt fände, lieber Skeptiker, liebe Skeptikerin. Du wirst jetzt wahrscheinlich sagen: „Aber diese Umstände sind doch die Realität!“ Ja, natürlich, deine Realität. „Aber dann kann doch keine andere Realität genauso real sein!“ Du willst mir also sagen, dass meine Realität nicht real ist wie deine? Oder dass meine Realität nichts gilt? Ja von mir aus, allerdings ist sie mir und meinem Umfeld nützlicher. Ich wähle trotzdem diese und bedanke mich bei der ehrwürdigen Feuerschlange, bei allen Beteiligten, bei der Frau, die dieses alte Gewölbe renoviert hat, bei euch Lesenden und verneige mich vor euch.

Ganz tief.

Und empfehle mich.

Schlängelnd&zssischschend.

Maha Karuna oder we are NOT part of my Liebesleben

„Willkommen in meiner Welt. Kommen Sie, ich nehme Sie mit auf eine Reise zu den Untiefen des Todestriebes, zu einer Freifahrt in die Selbstverletzung, zum heiteren Sezieren meiner Befindlichkeiten. Treffen Sie meinen Lieblings-Selbstmordattentäter: Mich! Werden Sie Zeuge einer brüchigen und ephemeren Existenz. Ich führe sie durch dieses schwindelerregende Labyrinth, an die SchmerzGrenze, der eigenen Widerstände. Es geht um alles, oder um nichts, Selbstverbrennung inklusive, wie das Leben und die Liebe eben so spielen.“

Ein Hörtheaterstück von Theater KreisQuadratur

mit: Katrin Grumeth
stumme Figur: Wanda Buschmann | Gesang: Gloria Amesbauer | Stimme aus dem Radio: Julia Cencig |

Konzept/Musik/Regie: Michael Renath | Text/Dramaturgie: Tanja Peball |

Bühne/ Raum: Hanno Fröhlich | Toneinrichtung/Tontechnik: Sabrina Makula | Kostüm: Wanda Buschmann | Maske: Julia Gajdul | Regieassistentin: Anna Flament | Teamassistenz: Cornelia Schobert

am 8. und 9. November 2016, 20.00 Uhr, Kosmos Theater Wien

Link zu den Trailern

Ooops, We did it Again!

Ö1 Wettbewerb Entfernt Verbunden – Simulation eines Austausches

Unser Beitrag – „I Am Some“ – eine Radiomeditation wurde ….ausgewählt!

„… Ich gratuliere herzlich, ihr Stück wurde von einer 5-köpfigen Jury für die Ausstrahlung in der Ö1 Sendungsreihe Radiokunst – Kunstradio am 30. August im Rahmen des Ö1 Kunstsonntags nach mehrmaligen Hören aller Einreichungen und intensiven Diskussionen ausgewählt...“

Die Jury bestand aus der Leiterin der Ö1 Kulturabteilung Silvia Lahner, sowie aus den RedakteurInnen Edith-Ulla Gasser, Hans Groisz, Anna Soucek und Elisabeth Zimmermann. Alle sind in den Ö1 Bereichen Kultur, Literatur und Radiokunst tätig.

Große Freude und vielen Dank an Katrin GRUMETH für die wiederkehrend schöne und inspirierende Zusammenarbeit!

„I Am Some“ – eine Radiomeditation.

Oe1 Wettbewerb – Entfernt verbunden – Simulation eines Austausches.

zum Vote:

https://oe1.orf.at/ugc/673091?page=2

zum Anhören:

https://oe1.orf.at/ugcsubmission/view/d032f588-e0c1-42b4-ac12-33f223cec726/I-Am-Some-Radiomeditation

Stimme: Katrin GRUMETH, Musik/Konzept : Michael RENATH.

Was würde passieren, wenn eine ikonische Rede, ein Schlachtruf der schwarzen Selbstermächtigung
sich verselbständigen würde und als Echo, als Zeichen-Geist durch die Kommunikationsleitungen spukte.

Mehrwert für Menschen mit Morse-kenntnissen!
Sprich zu Mir – Ich zu Wir – I Am Some.

Ö1-Wettbewerb „Track 5. Wir haben gewonnen!

Ö1 suchte nach radiophonen Wesen. Wir, die KPKQ (KünstlerInnen-Plattform KreisQuadratur) konnten mehrere finden und nahmen teil,

beim Ö1-Wettbewerb „Track 5‚“.

Einer der beiden eingesandten Beiträge hat es zuerst ins Finale,

dann auf Platz 1 geschafft.

Wir bedanken uns bei Allen, die für uns gevotet haben und uns unterstützten.

Der Titel lautet „FernWeh“. Hier der Link zu Seite http://oe1.orf.at/track5

Und zum nachhören auf Soundcloud.

https://soundcloud.com/theater-kreisquadratur/fernweh

Es hat Spaß gemacht und hauptsächlich die Postproduction war viel Arbeit!
Danke, Herr verto! Danke, Jean d’Arc!

G he NT M a N I fest o! Milo Rau

Zehn Thesen für ein Theater des 21. Jahrhunderts

1. Es geht nicht mehr nur darum, die Welt darzustellen. Es geht darum, sie zu verändern. Nicht die Darstellung des Realen ist das Ziel, sondern dass die Darstellung selbst real wird.

2. Theater ist kein Produkt, es ist ein Produktionsvorgang. Recherche, Castings, Proben und damit verbundene Debatten müssen öffentlich zugänglich sein.

3. Die Autorschaft liegt vollumfänglich bei den an den Proben und der Vorstellung Beteiligten, was auch immer ihre Funktion sein mag – und bei niemandem sonst.

4. Die wörtliche Adaption von Klassikern auf der Bühne ist verboten. Wenn zu Probenbeginn ein Text – ob Buch, Film oder Theaterstück – vorliegt, darf dieser maximal 20 Prozent der Vorstellungsdauer ausmachen.

5. Mindestens ein Viertel der Probenzeit muss außerhalb eines Theaterraums stattfinden. Als Theaterraum gilt jeder Raum, in dem jemals ein Stück geprobt oder aufgeführt worden ist.

6. In jeder Produktion müssen auf der Bühne mindestens zwei verschiedene Sprachen gesprochen werden.

7. Mindestens zwei der Darsteller, die auf der Bühne zu sehen sind, dürfen keine professionellen Schauspieler sein. Tiere zählen nicht, sind aber willkommen.

8. Das Gesamtvolumen des Bühnenbilds darf 20 Kubikmeter nicht überschreiten, das heißt eines Lieferwagens, der mit einem normalen Führerschein gefahren werden kann.

9. Mindestens eine Produktion pro Saison muss in einem Krisen- oder Kriegsgebiet ohne kulturelle Infrastruktur geprobt oder aufgeführt werden.

10. Jede Inszenierung muss an mindestens 10 Orten in mindestens 3 Ländern gezeigt werden. Vor Erfüllung dieser Zahl darf keine Produktion aus dem Repertoire ausscheiden.

Theorie-Terror?

Wir bekennen uns dazu: Wir sind T(h)e(o)r(r)isten, doch weder arbeitsscheu noch praxisfern. Theorie gehört zum Theater. Sie bedingen und brauchen sich gegenseitig. Deshalb machen auch wir uns unsere Gedanken darüber. Ein Auszug daraus:

Theatertheoretische Elemente: Warum ästhetisch-performatives (afformatives) Drama?

Bedeutet postdramatisches Theater eine Aufhebung des „Erzählens“ einer linearen Geschichte, so genügt der Begriff „postdramatisches Theater“ nicht alleine um unser Projekt zu beschreiben. Denn wir erzählen sehr wohl eine Geschichte. Die Geschichte einer Gesellschaft in der sich die Menschen – obwohl biologisch, anthropologisch und psychologisch nahe – zunehmend physisch und sozial voneinander entfernt haben. Eine Gesellschaft in der – zumindest in der westlichen Zivilisation – dem Ausüben eines manischen Individualismus nachgejagt wird, das Kollektiv und die Gemeinschaft jedoch zunehmend mittels Ellbogenstrategien verdrängt werden. Dazu kommt, dass über subtile Strategien Rollenbilder geformt werden, von denen der/die Einzelne denkt sie erfüllen zu müssen und dabei den Eindruck behält, die Entscheidungen für diese Rollen wären autonome Entscheidungen – in Wahrheit folgen wir schon längst nicht mehr unserem Willen oder unserer Intuition, sondern sind in einer Art Endlosschleife gefangen, die es auf Dauer unmöglich macht Entscheidungen zu treffen und dem Leben einen Sinn oder zumindest einen Ton bzw. eine Farbe zu verleihen.

Ton und Farbe stehen in unserem Projekt dabei einerseits für die Ästhetik des Bühnenbildes und der Kostüme, andererseits für die Musik von Michael Renath. Der mögliche Sinn wird über den Text (Susanne Lindlar/Tanja Peball), sowie über Zitate von Johann Gottfried von Herder, Friedrich Nietzsche über Niklas Luhmann bis hin zu Jean-Francois Lyotard und Douglas Rushkoff geliefert und zur Anregung beigemischt.

Alle Element die wir einsetzen, sollen ein Gesamtbild ergeben und gemeinsam ein und dieselbe Situation kommentieren: die Tatsache, dass wir uns einen Käfig von Regelmechanismen geschaffen haben, den wir schon längst nicht mehr unter Kontrolle haben und dem wir nicht einmal mehr gedanklich über die Vernunft entfliehen können – denn auch die Alternativen sind bereits vereinnahmt und geprägt von vorgefertigten Rollen. Was kommt danach? Was geschieht, wenn nichts mehr zwischen den Menschen geschieht, dass sie bewegt?

Beantworten wird dieses ästhetisch-performative (afformative?) Drama diese Fragen wohl nicht, aber versuchen, sie in ihrer Brisanz und Notwendigkeit zu stellen und zu thematisieren. Denn es sind dringende und drängende Fragen, mit denen wir uns als Menschen nicht oft genug konfrontieren können.

ZPS Aktion

Was der Theatermacher Philip Ruch und das Zentrum für politische Schönheit machen inspiriert, macht Mut und lässt endlich Überlegungen einer aktionistisch-schlingensiefschen Nachfolge zu. Das Thema einer AußerParlamentarischen Opposition bekommt wieder Aktualität. Deshalb verfolgen wir die Aktionen des ZPS mit Neugier. Wer dies auch tun will sollte sich unbedingt diesen Vortrag ansehen und diesen Artikel lesen.