{"id":31,"date":"2015-01-04T19:26:45","date_gmt":"2015-01-04T17:26:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kreisquadratur.at\/wordpress\/?p=31"},"modified":"2018-03-14T22:19:01","modified_gmt":"2018-03-14T20:19:01","slug":"theater-kq","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kreisquadratur.at\/wordpress\/?p=31","title":{"rendered":"Theater KQ"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Individuen als AgentInnen und Archetypen<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">Seit Adolphe Quetelet existieren \u2013 trotz scheinbar strenger Trennung zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften, Ans\u00e4tze, die unter der Bezeichnung \u201esoziale Physik\u201c versuchen, Beobachtungen, Regeln und Verhaltensweisen die der Physik entnommen werden, auf Gesellschaftssysteme im Ganzen (bzw. komplexe Systeme) umzulegen, also systemtheoretisch zu deuten. Es werden hier Analogieschl\u00fcsse gezogen, die Verhalten zumindest beschreiben k\u00f6nnen. <strong>Jedes System durchl\u00e4uft dabei verschiedene Zust\u00e4nde<\/strong> die sich in ihrer Komplexit\u00e4t und daher in ihre Determiniertheit, Einfachheit und \u00dcberschaubarkeit deutlich voneinander unterscheiden. Diese Tatsache hat Auswirkungen auf <strong>Entscheidungssituationen<\/strong> \u2013 in sozialen Systemen \u2013 denen sich Individuen stellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">Die sozio\u00f6konomische Physik bzw. die \u201ePhysik der menschlichen Gesellschaft\u201c, bezeichnet die \u201eTeilchen\u201c eines Systems als <strong>\u201eAgentInnen\u201c<\/strong>, die sich als Gesamtes in unterschiedlichen (Aggregats-)Zust\u00e4nden befinden k\u00f6nnen: Was in der Umgebung passiert, welche Komponenten einwirken ist dabei ausschlaggebend daf\u00fcr, in welchem Zustand sich das System und somit die Individuen befinden k\u00f6nnen. Grundlegende Parallele zwischen Teilchen und AgentInnen ist, dass sie mindestens drei Eigenschaften haben k\u00f6nnen: <strong>sie ziehen sich an, sto\u00dfen sich ab, oder sind sich egal<\/strong>. Die \u00dcberg\u00e4nge von einem Zustand in den anderen k\u00f6nnen durch <strong>unterschiedliche Einwirkungen von Au\u00dfen zum \u00dcbergang gezwungen werden<\/strong>. In der Physik etwa durch Beeinflussung der Temperatur, des Drucks und der Dichte, in der Gesellschaft sind es die Bedingungen, die Leben erm\u00f6glichen und organisieren: <strong>Steuerung und Regelung der Grundbed\u00fcrfnisse die sich grob \u00fcber die Bereiche Politik, Soziales, Bildung, Kultur sowie Wirtschaft<\/strong> regeln. Nimmt jedoch eine dieser Komponenten (z.B. die Wirtschaft) die Macht \u00fcber alle anderen ein und \u00fcbertr\u00e4gt ihre Regeln und Steuermechanismen auf alle anderen Bereiche, wird es \u2013 rein physikalisch interpretiert \u2013 zu einem \u00dcbergang, einer Ver\u00e4nderung und einem Umbruch kommen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">Einerseits interessieren uns als <strong>Theater KreisQuadratur die \u00dcberg\u00e4nge<\/strong>, andererseits die zunehmende Gleichg\u00fcltigkeit Aller gegen\u00fcber Allen. Deshalb sind die Fragen, wie es zu einem \u00dcbergang kommt und die Frage nach der freiwilligen, selbstinduzierten Isolation f\u00fcr uns im Zentrum. Wir befinden uns als System im dauerhaften Ausnahmezustand, immer an der Grenze, bzw. mit dem Horizont des \u201eVergehens\u201c konfrontiert. Doch an welchem \u00dcbergang befinden wir uns jetzt in der Gegenwart? Haben wir den \u201ekritischen Punkt\u201c l\u00e4ngst \u00fcberschritten, oder steht uns diese \u00dcberschreitung noch bevor?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">Wir ziehen also nochmals eine Analogie, die die Komplexit\u00e4t des individuellen und kollektiven Lebens thematisieren soll. Die <strong>\u201eAbsurdit\u00e4t des Realen\u201c<\/strong> in der wir absolut vernetzt sind, so viel \u00fcber die einzelnen Komponenten des Systems wissen, und doch <strong>keine Solidarit\u00e4t, keine Kollektivit\u00e4t<\/strong> entstehen lassen k\u00f6nnen \u2013 <strong>das direkte Gespr\u00e4ch, die face-to-face Situation ist beinahe schon eine Au\u00dfergew\u00f6hnliche<\/strong> und stellt zunehmend eine Barriere dar \u2013 die direkte Konfrontation wird zur unbequemen Herausforderung f\u00fcr das Individuum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\"><strong>Der\u00a0 st\u00e4ndige Versuch Komplexit\u00e4t (scheinbar) zu reduzieren, kippt in sein Gegenteil<\/strong> \u2013 wir denken, dass daf\u00fcr <strong>Isolation\/scheinbare Zugeh\u00f6rigkeit, Vermassung<\/strong> (Normierung)\/Vereinzelung (pathologisierte Zust\u00e4nde wie Depressionen, Schizophrenie, Psychosen) der Menschen eine gro\u00dfe Rolle spielen und diese Komponenten sind in einem System, in dem Kommunikation und Bed\u00fcrfnisse die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Erfassung der \u201eAgentInnen\u201c und ihrer Eigenschaften erlaubt, steuerbar. Schon l\u00e4ngst wissen wir, dass es nicht vern\u00fcnftige Gr\u00fcnde sind, warum wir Entscheidungen treffen. In der Gegenwart sp\u00fcren wir es.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Individuen als AgentInnen und Archetypen Seit Adolphe Quetelet existieren \u2013 trotz scheinbar strenger Trennung zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften, Ans\u00e4tze, die unter der Bezeichnung \u201esoziale Physik\u201c versuchen, Beobachtungen, Regeln und Verhaltensweisen die der Physik entnommen werden, auf Gesellschaftssysteme im Ganzen (bzw. komplexe Systeme) umzulegen, also systemtheoretisch zu deuten. 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